Kulturlandschaft Weggental

Weinbau seit Jahrhunderten

Spaziergänger
Spaziergänger oberhalb der Ehehalde © 2019 TL

Seit dem Hochmittelalter gewann der Weinbau im Neckarraum zunehmend an Bedeutung.
Wein aus der Ehehalde wurde im Jahr 1338 erstmals urkundlich erwähnt. Rottenburger Wein wurde im 16. Jahrhundert an den Höfen in Wien und Innsbruck getrunken und war die Haupterwerbsquelle in Rottenburg: „Die Bürger davon habens Leben“ schrieb ein zeitgenössischer Chronist.

(siehe auch: Dieter Manz, Rottenburger Wein und Urbansbruderschaft, 2001 Sülchgauer Altertumsverein e.V. )

Weinbergin der Ehehalde
Weinberg in der Ehehalde © 2019 TL

Der Steuerfuß des Jahres 1687 gibt für das ganze heutige Naturschutzgebiet Weinbau an, also auch für die nordwest- und westexponierten Trichterhänge.

Das Huthüttle war ein altes Weinberghüterhaus. Von der exponierten Lage aus konnten die Schützen der Urbansbruderschaft früher ein großes Anbaugebiet überblicken und zur Traubenreife die Weinberge vor Dieben bewachen.

(nach: Sybille Hacker: Pflegekonzeption Naturschutzgebiet Trichter-Ehehalde, Bezirksstelle für Natur- und Landschaftspflege Tübingen, 1998)

St. Urban
St. Urban © 2019 TL

Die Kulturlandschaft des Weggentals wurde seit Jahrhunderten durch den Wein- und Obstbau geprägt und erhalten. Der Weingärtnerverein Rottenburg-Wendelsheim und die seit 1438 bestehende Urbansbruderschaft führen heute die Weinbautradition mit Sorten wie Müller-Thurgau, Portugieser, Kerner, Spätburgunder und Lemberger fort.

Weggental im April 1973
Weggental im April 1973 © 1973 Manfred Grohe

502 Jahre Wallfahrten im Weggental

Seit dem Jahr 1517 besteht die Wallfahrt im Weggental. Über Jahrhunderte ist sie ein wichtiges Element des kirchlichen Lebens weit über Rottenburgs Stadtgrenzen hinaus.
Die prächtige Barockkirche wurde als vierjochige, tonnengewölbte Hallenkirche mit eingezogenen Wandpfeilern ab 1682 erbaut und 1695 geweiht.

Weggentalkirche
Weggentalkirche © 2019 TL

Gegenüber der Eingangsseite der Wallfahrtskirche wurde1773 im Rokoko das Mesnerhaus, ein zweistöckiger Bau mit Mansarddach und Wandbemalung, errichtet.
Die Wallfahrt im Weggental wurde im 17. und 18. Jahrhundert durch die Rottenburger Jesuiten betreut, für die Kirche selbst war die Stadtpfarrei St. Martin zuständig. Seit das Franziskanerkloster 1919 im Weggental ansässig wurde, betreuten die Patres des Franziskanerordens Kirche und Wallfahrt für annähernd ein Jahrhundert die Wallfahrt bis 2016. Ihnen folgten Patres vom Orden der Teresianischen Karmeliten (Unbeschuhte Karmeliten).

Bekannt ist das Gedicht „S’Weggetaler Kripple“ von Sebastian Blau (Josef Eberle).