Geologie

Das Huthüttle steht auf den Deckenschotterfelsen des Neckars © 2019 TL

Wie kommen Schotter-Ablagerungen des Neckars auf das Huthüttle?
Und das 70 Meter oberhalb des heutigen Flussniveaus !?

Die Deckenschotterfelsen des Neckars im Naturschutzgebiet Trichter / Ehehalde reichen vom oberen Feld bis zur St.Theoderich-Kapelle. Sie besitzen eine Mächtigkeit von 5 – 10 Metern und sind zum Teil von Löss überdeckt. Sie streichen am oberen Hang der Ehehalde und des Trichters aus.
Am oberen und mittleren Neckar gibt es nur noch wenige dieser isolierten Stellen, an denen diese alten Schotterreste über den heutigen Talböden sichtbar an der Oberfläche zu finden sind.

Bei der Unterschutzstellung des Naturschutzgebiets im Jahr 1938 wurde als eines der Schutzziele folgender Sachverhalt definiert:

„… eine geologische (Aufgabe): Die Deckenschotter, die im Schutzgebiete besonders schön zutage treten, vor Abbau zu schützen“ 

(alle Zitate siehe
http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/wuerdigung/4/4010.htm)

vor 1 Mio. Jahren vom Neckar abgelagert © 2019 TL

Bei diesen Deckenschottern handelt es sich um Flussgerölle des Neckars aus der Mindel-Kaltzeit. Sie wurden vor mindestens 1 Mio. Jahren zu Beginn des Eiszeitalters abgelagert und bestehen vorwiegend aus Muschelkalk und vielen Geröllen des Weißjura-Kalk von der Schwäbischen Alb. Es sind allerdings auch Schwarzwaldgerölle vertreten, die seit der Einbeziehung der heutigen Glatt in das Einzugsgebiet des oberen Neckars geliefert wurden.

Gerölle des Neckars aus der Alb und dem Schwarzwald © 2019 TL

Die Felsen am Huthüttle und im oberen Hang der Ehehalde und des Trichters sind Zeugen der süddeutschen Landschaftsgeschichte, noch vor der Eintiefung des oberen Neckartals, als sich der Neckar „ … oben über der Keuperdecke behäbig, vielarmig und nach Belieben bald in der Heuberg-Gegend, bald am Rammert dahinwälzen konnte.

Ein weiterer Deckenschotterfelsen am oberen Hang der Ehehalde © 2019 TL

Im Rahmen der Absenkungen des Oberrheingrabens in der Riß-Mindel-Zwischeneiszeit vor ca. 0,8 Mio. Jahren wurden Vogesen, Schwarzwald und Schwäbische Alb erneut angehoben.

Das Einzugsgebiet des Rheins und seiner Nebenflüsse wuchs durch rückschreitende Erosion auf Kosten der Donau immer mehr an. Der Neckar tiefte sich als Folge seiner wesentlich tieferen Erosionsbasis stark in den Keuper und Muschelkalk ein und bildete die heutigen Formen des mäandrierenden oberen Neckartals zwischen Rottweil und Rottenburg aus.

Erst danach hat der Neckar auch einen stark wasserführenden Bach mit großem Einzugsgebiet aus der Richtung Seebronn und Oberes Gäu an sich gerissen, der sich dann im Weggental durch die weichen Keuperschichten und auch die morphologisch wesentlich härteren Muschelkalkwände eingeschnitten hat, den pleistozänen Weggentalbach.

Deckenschotter am Huthüttle, hoch über dem Weggental © 2019 TL

Die alten Deckenschotter des pleistozänen Neckars wurden an vielen Stellen abgelagert, sind aber aufgrund der danach einsetzenden Erosion heute nur noch an wenigen Stellen in höheren Lagen über dem aktuellen Neckartal erhalten geblieben. Diese Schotterlagen wurden durch kalkige Sickerwässer so stark verbacken, dass sie heute den Anschein alter roher Betonkörper erwecken.

Auf kalkhaltigen Felskuppen, Felsschutt und Felsbändern bildet sich – wie zum Beispiel auf den Deckenschottern des Neckars am Huthüttle – ein seltener Kalk-Pionierrasen mit einer speziellen Pflanzengesellschaft aus.

Noch eine Besonderheit konnten wir im dicht bewachsenen Trichterhang entdecken: mehrere alte Weinbergmauern, einst gebaut aus anstehenden Felsstücken des Neckar-Deckenschotters .

Vorankündigung einer spannenden Veranstaltung des Bürgerprojekts :

Vortrag: „Geologie und Landschaftsgeschichte rund um Rottenburg“

am Montag, 18.11.2019 im VHS-Gebäude, Rottenburg
mit Dr. Joachim Eberle vom Fachbereich Geowissenschaften der Uni Tübingen.
Herr Dr. Eberle ist einer der Autoren von „Deutschlands Süden – vom Erdmittelalter zur Gegenwart“.

„Welche Gesteine prägen die Geologie rund um Rottenburg und welche 
Eigenschaften haben sie?
Wie ist die heutige abwechslungsreiche Landschaft rund um Rottenburg entstanden und welche Rolle spielen dabei Neckar und Ammer?
In Form einer Zeitreise wird versucht, diese Fragen zu beantworten.“