Bienen-Ragwurz

Auf einem Hanggrundstück wurden gleich sechs sehr seltene Orchideen gefunden. Es handelt sich dabei um die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), eine spätblühende Art aus der Gattung der Ragwurzen (Ophrys) der Familie der Orchideen (Orchidaceae).

Die Bienen-Ragwurz gehört zu den seltensten und am meisten bedrohten Pflanzenarten in Deutschland. Das liegt an den hohen Ansprüchen, die sie an ihren Lebensraum stellt. Sie benötigt Halbtrockenrasen oder lichte Trockenwälder mit kalkreichem und lockerem Boden sowie einem milden Klima. Unter diesen Bedingungen blüht sie im Juni und Juli.

Solche seltenen Bedingungen finden wir im Weggental!

In Deutschland befinden sich die meisten Standorte in Baden-Württemberg, Thüringen, Südniedersachsen und im Saarland, darüber hinaus ist die Art selten bis sehr selten.

Interessant ist, dass Blüten der Bienen-Ragwurz nur selten von Insekten bestäubt werden. In der Regel kommt es zur Selbstbestäubung. Dies ist bei den Orchideen sehr selten, denn meist beruht ihre die Fortpflanzung auf Fremdbestäubung.

Die Anzahl blühender Pflanzen schwankt von Jahr zu Jahr beträchtlich. Je trockener der Winter und Frühling, desto geringer die Anzahl. Die Pflanzen sind mitunter nicht sehr langlebig. Oft blühen sie nur wenige Male und verschwinden dann wieder oder sie benötigen wieder einige Jahre bis zur nächsten Blüte. Grund dafür dürfte die Selbstbestäubung sein. Der Aufwand an Energie für die Samenproduktion schwächt die Pflanzen.

Diese Schwankung wurde auch im Weggental beobachtet. Der letzte Fund auf diesem Grundstück ist schon 3 Jahre her.

Da eine einzige Blüte aber nach erfolgreicher Bestäubung ungefähr 10.000 winzige Samen produziert, ist eigentlich für reichhaltigen Nachwuchs auf jeden Fall gesorgt. Vom Samen bis zur blühfähigen Pflanze dauert es bei der Bienenragwurz nur drei bis vier Jahre.

Durch die späte Blütezeit werden Standorte der Bienen-Ragwurz oft vor der Blüte oder der Samenreife gemäht. Fortschreitende Sukzession nimmt den Pflanzen das Licht und sie verschwinden früher oder später.

Man findet sie meist nur noch in eigens für sie und ihresgleichen ausgewiesenen Naturschutzgebieten. Denn sie ist eigentlich eine Hungerkünstlerin, die mit wenig Wasser und noch weniger Nährsalzen, insbesondere Stickstoffverbindungen, ihr Auskommen hat. Wird der Standort jedoch gedüngt, wird sie binnen kürzester Frist durch Konkurrenten verdrängt, die mit Hilfe des Düngers ein rascheres und höheres Wachstum als sie an den Tag legen.