Warum gesunde Bäume im NSG fällen ?

Bäume fällen
Pflegearbeiten im Dezember 2018 © 2019 TL

Heute ist der Trichter ein mächtiges, jedoch von Wald bedecktes Naturtheater:

Trichter im Sommer 2018
Trichter im Sommer 2018 © 2019 TL

Um 1929 waren der Trichter und die Ehehalde noch eine gepflegte Kulturlandschaft mit einer großen natürlichen Artenvielfalt.

Trichter/Ehehalde vor 1925
aus: Georg Wagner, Junge Krustenbewegungen im Landschaftsbilde Süddeutschlands, Verlag F. Rau, Öhringen 1929 Hohenlohe`sche Buchhandlung Rau

Noch im Jahr 1973 war die Verbuschung relativ wenig fortgeschritten.

Weggental im April 1973
Weggental im April 1973 © 1973 Manfred Grohe

Heute sind die Hänge des Trichters fast komplett von Wald und Buschwerk verdunkelt.
Im Schatten der großen Baumgruppen am Grat wachsen bis zu 5 m hohe Haselstauden und anderes Buschwerk bis hinab zur Talsohle.

Nordgrat
Nordgrat © 2019 TL

Im Unterholz steht fast nur noch Starkholz und ein wenig Gestrüpp.
Statt der früheren Magerrasen hat sich über weite Flächen ein kahler Waldboden entwickelt.
Die Belüftung ist aufgrund des starken Bewuchses ebenfalls eingeschränkt. Der große Samendruck durch die Bäume begünstigt die fortwährende Ausbreitung der Bewaldung.
Selbst für die meisten Vogelarten ist der Bewuchs nach Beurteilung der Ornithologen zu dicht. Sie brauchen eher den Wechsel von Hecken und offenen Flächen zum Nisten und zum Jagen.

Verbuschung im Nordhang
Verbuschung im Nordhang © 2019 TL

Der für unser Naturschutzgebiet falsche Grundsatz „Natur Natur sein lassen“ wurde im Trichter jahrzehntelang praktiziert. Die Folge war die Entwicklung hin zu einem Unterholz-Dickicht mit einer stark reduzierten Artenvielfalt.

Ziel des Naturschutzes ist es dagegen – wie bereits 1938 in der Naturschutzgebiets-Verordung formuliert – „die reiche Pflanzenwelt des Gebietes, die sehr gefährdet ist, zu erhalten“.

Durch eine Erstpflege mit Reduzierung von Gehölzen und Entbuschung im Nord- und Westhangs des Trichters soll die Belichtung und Belüftung verbessert und damit die Regeneration von Magerwiesen ermöglicht werden.

Angestrebt wird ein durchgehender offener Korridor im Nord- und Westhang des Trichter, in dem sich geschützte und seltene Pflanzen und Tiere wieder ausbreiten und erholen können.


Aus dem Natura 2000-Managementplan für das FFH-Gebiet 7419-341 des Regierungspräsidiums Tübingen vom Juli 2013

Dies entspricht den Empfehlungen des Natura 2000-Managementplan des Regierungspräsidiums Tübingen, die ebenfalls das Zurückdrängen von Gehölzsukzession als wesentlichste Entwicklungsmaßnahme vorsehen.

In den Folgejahren, in denen zunächst wieder mit sogar verstärktem Nachwuchs von Sukzessionsgehölzen gerechnet werden muß, soll die Pflege mit Beweidung erst mit Ziegen, dann mit Schafen unbedingt fortgesetzt werden.

Schafe
Beweidung mit Schafen © 2019 TL

Dann wird sich ein großflächiger und vernetzter Lebensraum auf den früheren Steppenheide- und Magerrasenflächen entwickeln können zur Wiederbesiedlung mit der einstigen Flora und Fauna.

Die heute noch verbuschten Bereiche werden in Teilflächen wieder auf Heckenstrukturen zurückgeführt, die – zusammen mit den mageren Wiesenflächen – als Ernährungsgrundlage und Lebensraum für die Vogelwelt dienen.

Buntspecht
Buntspecht © Prof. Randler

Samen von gefährdeten und verschwundenen Pflanzen überdauern viele Jahre lang im Boden und blühen wieder auf, wenn Biotope wie Magerrasen und Felsstandorte gepflegt werden. Und seltene Pflanzen bieten Nahrung für gefährdete Insekten, die selbst wieder mehr Singvögel anziehen.

Küchenschelle mit Biene
Küchenschellen mit Biene © 2019 TL